Projekte

Die Stiftung JOBEMA ist eine junge Stiftung, die ihre Aktivitäten und Engagements entwickelt. In dieser Rubrik sind ausgewählte Projekte aufgeführt, die unterstützt wurden. Sie sind noch am Laufen oder bereits abgeschlossen.

Die Stiftung JOBEMA engagiert sich für die Wissensvermittlung zu Kokain

«Kokain – die schmale Linie zwischen Höhenflug und Tiefpunkt»: Eine erfolgreiche und weit ausstrahlende Tagung in St. Gallen mit renommierten Suchtspezialistinnen und Suchtspezialisten

(Bild: mf)

Am 12. März 2026 fand in St. Gallen eine Veranstaltung mit renommierten Suchtspezialistinnen und Suchtspezialisten über Kokain statt. Organisiert vom Verein Endlesslife, wurde sie von der SRF-Redaktorin Irene Grüter souverän moderiert. Der Pfalzkeller war bis auf den letzten Platz besetzt. Das Thema sprach nicht nur medizinische Berufe, weitere Fachpersonen und Vertreterinnen und Vertreter der Politik an. Unter dem Publikum befanden sich ebenso Betroffene und Angehörige, was die gesellschaftspolitische Relevanz der Veranstaltung dokumentiert.

Nach der Begrüssung durch den Vorsteher des Gesundheitsdepartementes des Kantons St. Gallen, Regierungsrat Bruno Damann, machte Frank Zobel, Vizedirektor und Co-Leiter Forschung der Stiftung Sucht Schweiz, eine Auslegeordnung und stellte grundlegende Fragen: Wie viele Menschen in der Schweiz konsumieren Kokain? Wer sind sie und wie differenzieren sie sich? Stieg der Konsum über die Jahre? Und wie verhält er sich im europäischen Vergleich? Verändert sich das Kokainangebot? Obwohl exakte Zahlen noch nicht vorliegen, bilanzierte Zobel, dass sich der Kokainkonsum innert weniger Jahre verdoppelt habe und alle gesellschaftlichen Schichten erfasse. Und dies nicht nur in Grossstädten, sondern ebenso auf dem Land. Es sei dringlich, die Entwicklungen systematisch zu erfassen. Dabei stellte er eine Studie in Aussicht, die zurzeit durch die Stiftung Sucht Schweiz erarbeitet werde.

Dr. med. Antje Monstein, Leiterin des Bereichs Abhängigkeitserkrankungen an der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, berichtete von «Neuen Ansätzen in der stationären Behandlung von Menschen mit Kokainabhängigkeit.» Dieses sogenannte Münsterlinger Modell berücksichtige die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen stärker als dies herkömmliche Ansätze tun. Die therapeutische Haltung sei partnerschaftlich, validierend und nicht wertend. Das Ziel der Behandlung sei nicht ausschliesslich Abstinenz, sondern die ganzheitliche Verbesserung der Lebenssituation. «Das Modell», so Monstein, «verbessert das Stationsklima, senkt Aggressionen und fördert nachhaltige Therapieeffekte». Und im Fazit: «Das Münsterlinger Modell ist ein lebendiger Veränderungsprozess mit Fokus auf Lebensqualität und individuelle Entwicklung statt rigider Abstinenznormen».

Hildegard Jutz, Vizepräsidentin des Fördervereins Endlesslife und Mitglied des Steuerungsausschusses von Endlesslife, führte in den Prozess der Modernisierung und der Professionalisierung, den dieses Hilfswerks nun hinter sich gebracht hat. Sie berichtete, wie aus dem spontanen Bedürfnis heraus, suchtkranken Menschen zu helfen und aufsuchende Gassenarbeit zu betreiben, über die Jahre eine vielfältige und vielschichtige Organisation wurde, die mit ihren Dienstleistungen und Angeboten heute unverzichtbar ist. Dass es angesichts der zunehmenden Nachfrage nach Dienstleistungen bei Endlesslife an der Zeit war, die Instrumente für die Führung, das Controlling und die Finanzierung des Vereins à jour zu bringen. Staatliche Leistungen und Angebote in der Gassenarbeit und im Suchtbereich allein reichten nicht aus, um die dringenden Bedürfnisse suchtkranker Menschen zu befriedigen und offensichtliche Notstände zu beheben. «Die herrschende Misere im Suchtbereich verlangt», so Jutz, «auch privates Engagement». Leistungen und Angebote in der Gassenarbeit und im Suchtbereich – ob von Seiten Staat oder Privater – müssten die Menschen bei ihren

Bedürfnissen abholen und professionell erfolgen. Fachwissen sei wichtig. Doch gerade im Suchtbereich könne auch Erfahrungswissen Lösungen aufzeigen. «Erst das Zusammenspiel von Fach- und Erfahrungswissen verspricht die optimale Hilfe. Letztlich ist der Erfolg auch eine Frage des persönlichen Zugangs und der Emotionalität.»

Thomas Feurer, Gründer und Präsident von Endlesslife, war selbst über 15 Jahre schwer drogenabhängig. Im Blick zurück kam er zum unmissverständlichen Fazit: «Keine Substanz hat mich so schnell zerstört, so sehr verwahrlosen lassen, so tief innerlich zerfallen lassen wie Kokain.» Feurer zerstörte das Klischee, dass Sucht nur bei Menschen auf der Strasse anzutreffen sei. Er präsentierte eindrückliche Fallbeispiele suchtkranker Menschen, die illustrierten, dass Sucht heute ganz anders aussieht. Feurer betonte die Bedeutung des Angehörigencoachings, das – wie auch die Präventionsarbeit in Schulen – bei Endlesslife fester Bestandteil des Angebots darstelle. «Wir helfen Familien, ihre Lebensqualität zu bewahren, sich von Schuldgefühlen zu lösen und wieder zu atmen – trotz Sucht.» Die aufsuchende Gassenarbeit, die zu einem Markenzeichen des Vereins wurde, bringe Bilder zu Tage, die man längst hinter sich gelassen glaubte. «Menschen rauchen wieder Crack in Gruppen, konsumieren in Parks oder Hauseingängen.» Heute sei Kokain einfacher zu beschaffen als Cannabis oder Heroin. Mit der steigenden Verfügbarkeit wachse auch das Leid Einzelner und ganzer Familiensysteme.

Professor Boris B. Quednow, Pharmakopsychologe an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, sprach über «Soziale und kognitive Folgen des Kokainkonsums» und fragte nach der Bedeutung für die Therapie. Quednow führte aus, dass Personen mit einem chronischen Kokainkonsum nicht nur Beeinträchtigungen in der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis und der Impulskontrolle aufweisen würden, sondern auch in sozial-kognitiven Fähigkeiten wie der Empathie und Perspektivenübernahme. Ebenso könne ein geringer ausgeprägtes prosoziales Verhalten dokumentiert werden. «Da die kognitiven Störungen bei Kokainkonsum nicht erst mit abhängigen Konsummustern zu beginnen scheinen, sondern bereits bei Gelegenheitskonsum beobachtbar sind, hat der steigende Kokainkonsum in der Schweiz eine breite gesellschaftliche Relevanz.»

Die anschliessende Podiumsdiskussion mit vielen Fragen aus dem Publikum machte nochmals deutlich, dass das Thema Kokain längstens mitten in der Gesellschaft angekommen ist. Die Tagung leistete einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung von Menschen mit einer Kokainabhängigkeit. Sucht ist eine Krankheit.

Die Stiftung JOBEMA engagiert sich für Kinder aus sucht- und armutsbetroffenen Familien

Jugendberatung Listo, Luzern – Den Weg in die Selbstständigkeit finden

(Bild: Listo)

Die Jugendberatung Listo des Vereins Tragwerk Luzern (vormals Verein Kirchliche Gassenarbeit) ist eine freiwillige Anlaufstelle für Jugendliche aus sucht- und armutsbetroffenen Familien. Die Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche ab Oberstufenalter bis und mit 25 Jahren, die meistens zuvor bereits im Listino Kids des Paradiesgässli betreut wurden.

Die Jugendberatung Listo unterstützt die Jugendlichen und ihre Herkunftsfamilien in altersbedingten Fragen wie Lehrstellensuche, Freizeitgestaltung, Konfliktbewältigung oder im Ablösungsprozess von zu Hause.

Ziel des Angebots ist es, die Jugendlichen zu stärken und ihre Lebensqualität zu verbessern. Die Jugendlichen werden sich ihrer speziellen Herkunft bewusst, setzen sich mit den Themen Drogen, Sucht und Armut auseinander und werden in diesen Fragen altersgerecht informiert. Durch Erkennen und Fördern der eigenen Kompetenzen und Ressourcen soll die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) der Jugendlichen gestärkt werden. Dazu gehört auch, dass Jugendliche lernen, ihre Freizeit zu gestalten, ihre Finanzen zu planen und zu verwalten und ein soziales Netzwerk ausserhalb der Familie aufzubauen.

Auch junge Erwachsene aus sucht- und armutsbetroffenen Familien sollen ein eigenständiges und finanziell unabhängiges Leben in der Gesellschaft führen können.

Die Stiftung JOBEMA engagiert sich für die Kokain-Präventionsforschung

Sucht Schweiz, Lausanne – Junge Menschen sollen sich der Gefahren des Kokainkonsums bewusst sein und ihr Leben selbstbestimmt und sicher gestalten. Fernab vom Kokainrausch.

Die Stiftung JOBEMA hat die Stiftung Sucht Schweiz mit einem innovativen, wissenschaftlich fundierten Pilotprojekt beauftragt. Gemeinsam wollen wir nicht nur das wer, wo und wie des Kokainkonsums junger Erwachsener in der Schweiz verstehen, sondern auch neue Wege zu einem selbstbestimmten Leben ebnen.

Wir werten vorhandene Daten aus und gehen auf Spurensuche nach den Orten wie zum Beispiel Ausbildungsstätten, Arbeitsplätze, Freizeit- und Party-Settings, in denen das Risiko besonders hoch ist. Danach analysieren wir, welche Interventionen dort bereits wirken und welche Faktoren den Konsum beeinflussen. Auf dieser Basis entwickeln wir ein klar fokussiertes Interventionskonzept, das in einem ausgewählten Setting gemeinsam mit lokalen Partnern umgesetzt wird.

Unser Ziel? Die gesellschaftliche Akzeptanz von Kokainkonsum in Frage stellen, den problematischen Konsum senken und ein Umfeld schaffen, in dem der Verzicht leichter fällt. Dabei geht es nicht um Stigmatisierung, sondern um kluge Veränderungen im Umfeld, die junge Menschen befähigen, sich für ein Leben ohne Kokain zu entscheiden. Wenn die Evaluation zeigt, dass unser Ansatz wirkt, werden wir daraus Werkzeuge entwickeln, um die Massnahmen auf weitere Settings zu übertragen – für eine nachhaltige Wirkung weit über das Pilotprojekt hinaus.

Siehe auch Publikationen

Die Stiftung JOBEMA engagiert sich für Aufklärung über Kokain und Sucht als Krankheit

«Kokainjahre» erschien 2025 erstmals, wurde zum Bestseller und liegt bereits in der dritten Auflage vor. Für Angehörige geschrieben, erfasst die Resonanz weitere Kreise: Betroffene, Fachleute und alle, die Kokain und Sucht verstehen wollen.

(Cover: rüffer & rub)

«Aufwühlend, persönlich, wichtig. Eine schwere Suchterkrankung im Zeitraffer, erzählt von einer Mutter, die ihren Sohn an Kokain verlor. Ergänzt mit wissenschaftsbasierten Fakten zu Sucht und Kokain und mit vielen Fallbeispielen. So erhalten Lesende Einblicke in die Lebensrealitäten suchtkranker Menschen und ihrer Angehörigen. Denn ein Mensch ist mehr als seine Sucht – und Angehörige sind immer mitbetroffen.» Verlag Rüffer und Rub

«Kritisch, schonungslos, intelligent geschrieben und voll von aktuellem Wissen über das Phänomen Sucht.» Grüner Kreis, Magazin Sucht

«Ein aussergewöhnlich mutiges Buch, das lange nachhallt.» Annika Bangerter, CH-Media

«Gut recherchierte Fakten und Zahlen gepaart mit einer Suchtgeschichte, die so ungeschminkt und berührend erzählt ist, dass es einem den Atem verschlägt.» Rebecca Wyss, SonntagsBlick

«Mit ihrem Buch ‘Kokainjahre’ ist Marina Jung zur Stimme für Angehörige geworden, von denen kaum je die Rede ist, obwohl auch sie in der Sucht gefangen sind.» Denise Jeitziner, Tages-Anzeiger

Die Stiftung JOBEMA engagiert sich für die Forschung im Zusammenhang mit Kokainkonsumstörungen

Universität Zürich – Auswirkungen des Kaliumkanalblockers Fampridin auf das Arbeitsgedächtnis und das Verlangen bei Kokainabhängigkeit

(Bild: zv)

Chronischer Kokainkonsum beeinträchtigt das menschliche Arbeitsgedächtnis häufig anhaltend. Damit ist eine zentrale kognitive Funktion betroffen, die für Planung, Entscheidungsfindung und Selbstkontrolle zuständig ist. Die neurobiologischen Mechanismen, die diesem Defizit zugrunde liegen, sind bisher nicht ausreichend geklärt. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Rolle neuronaler Kaliumkanäle bei der Entstehung solcher kognitiven Störungen zu untersuchen.

In einer kontrollierten pharmakologischen Belastungsstudie wird geprüft, ob eine Blockade von Kaliumkanälen durch den Wirkstoff Fampridin messbare Veränderungen der Denkleistung bewirkt.

Zusätzlich wird das aktuelle Verlangen nach Kokain erfasst. Dieses sogenannte Craving kann die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen und wichtige Hinweise auf suchtbezogene Prozesse liefern.

Der innovative, mechanistische Ansatz des Forschungsprojekts erlaubt es erstmals, die Beteiligung spezifischer Ionenkanäle an kognitiven Störungen bei Kokainkonsum gezielt zu untersuchen. Die Ergebnisse könnten neue Perspektiven für ein besseres Verständnis suchtspezifischer Hirnveränderungen eröffnen und langfristig zur Entwicklung neurobiologisch fundierter Behandlungsstrategien beitragen.

Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Boris B. Quednow (Universität Zürich) und Prof. Dr. Andreas Papassotiropoulos (Universität Basel) wird an der Psychiatrischen Universitätsklinik der Universität Zürich durchgeführt. Es wurde 2026 gestartet und dauert bis 2028.

Die Stiftung JOBEMA engagiert sich für Menschen am Rande der Gesellschaft

Verein Endlesslife, St. Gallen – Modernisierungsprojekt. Strategische Ausrichtung, Überprüfung der Abläufe, Organisationsentwicklung

(Bild: Endlesslife)

Der gemeinnützige Verein Endlesslife ist in St. Gallen und in der Ostschweiz seit vielen Jahren als niederschwellige, praxisorientierte Anlaufstelle für Menschen mit Suchtproblemen und deren Angehörige tätig. Sein Leistungsausweis reicht von aufsuchender Gassenarbeit und der Bereitstellung von Notschlafstellen über die Suchtmittelprävention bis zur Betreuung von Selbsthilfegruppen. Diese Angebote sind Antworten auf gesellschaftliche Notstände und soziale Miseren. Sie sind aber auch Ausdruck persönlicher Engagements der Vereinsmitglieder und der Führungspersonen.

In den letzten Jahren stiegen die Herausforderungen an Endlesslife rasant. Sie wurden hervorgerufen durch vielfältige gesellschaftliche Wandlungsprozesse (Stichwort neue Armut, Migration) und Veränderungen im Suchtbereich (neue Substanzen, Konsumverhalten). Dadurch stiess Endlesslife an Kapazitätsgrenzen. Beispielhaft ist die jährliche Gassenweihnacht, die zu einem Leuchtturmprojekt geworden ist (Bild). In den letzten Jahren wurden jeweils rund 1300 Personen gezählt, die an der Gassenweihnacht Kleider und Hygieneartikel beziehen konnten und denen eine warme Mahlzeit abgegeben wurde.

Angesichts des rasanten Wachstums drängte sich die Überprüfung der Dienstleistungen und der mittel- und langfristigen Ausrichtung des Vereins Endlesslife auf. Ebenso sollte die Organisationsstruktur den neuen Verhältnissen angepasst werden. Die Stiftung JOBEMA unterstützte diesen Modernisierungsprozess nicht nur finanziell, sondern stellte Netzwerke zur Verfügung. Die Unterstützung durch die Stiftung JOBEMA erfolgte nicht zuletzt im Wissen und aus der Erfahrung, dass staatliche Leistungen und Angebote in der Gassenarbeit und im Suchtbereich allein nicht ausreichen, um den dringenden Bedürfnissen zu entsprechen und offensichtliche Notstände zu beheben. Die herrschende Misere im Suchtbereich verlangt auch privates Engagement.